SC Fürstenfeldbruck von 1919 e.V.

U14 Jahresanfangsbericht

Tomas Zivcic, 18.01.2012

U14 Jahresanfangsbericht

Die erste große Turnierwoche ist nunmehr ins Land gezogen und mit einiger Verspätung hat man jetzt auch die Zeit über die erste, traditionell mit Turnieren überhäufte Anfangsphase des Jahres, zu rekapitulieren. Insgesamt sieben Turniere spielten unsere Jungs der U14 vom 03.01. bis zum 08.01., darunter auch mehrere U15 Turniere.

 

Kurzdurchlauf 03.01.: TSV Dasing U14 und U15

Begonnen wurde das neue Jahr bei der TSV Dasing, beim U14 und U15 Turnier konnten sich unsere Jungs mit starken Vertretern aus dem Augsburger Raum messen. Besonders schön war die gastfreundliche Atmosphäre, die vom Veranstalter, allen voran Jürgen Schmid, ausging. Man fühlte sich jederzeit gern gesehen und sportlich fair behandelt. Beide Teams des SCF hinterließen einen technisch guten Gesamteindruck, wobei besonders Oliver Möller und Thomas Morche mit teilweise hervorragendem Aufbauspiel beim ersten Turnier herausstachen, während beim zweiten Turnier unsere U14 gegen den Turnierfavoriten des Kissinger SC ein in allen Belangen hervorragendes 4:2 herausschoss und damit einen bleibenden Eindruck hinterließ.

Kurzdurchlauf 06.01.: VfB Eichstätt U15, Quali Baumit-Cup in Schärding U15, JFG Wertachtal U15

Mit gut 25 Spielern lassen sich auch Mehrfachbelegungen gut verarbeiten, wenn auch dieser Tag stark an unseren Kapazitäten nagte. 80 km nach Türkheim, 110 km nach Eichstätt und 250 km nach Schärding (A), drei Trainer im Einsatz (vielen Dank an Slobodan Vuckovic und Jakob Ettner für die Unterstützung) und sehr stark besetzte jahrgangsältere Turniere. Hier war einiges an Katastrophenpotential vorhanden, besonders in Schärding (siehe nächster Abschnitt), aber wir verkauften uns ausnahmslos gut und das ist Eltern und Kindern gar nicht hoch genug anzurechnen. So konnte in Eichstätt gegen Vertreter aus Ingolstadt und Feucht technisch nicht nur mitgehalten, sondern überzeugt, gar manche U15 Bayernliga sogar geschlagen werden, in Wertachtal wurde man gegen Vertreter der JFG (U15 BOL Schwaben) sowie der SpVgg Kaufbeuern sogar Turniersieger und in Schärding holte man sich trotz schwachen Ergebnisses (man wurde letzter mit nur einem Punkt und schied in der Vorgruppe aus) etwas, dass nicht so schnell vergessen wird, wie ein Erster Platz, nämlich den ehrlichen Respekt der Gegner und des Veranstalters.

Exkurs: „Katastrophenpotential“ Schärding

Man fährt 250 km einfach, kann wegen Verletzungspech nur mit sechs Spielern antreten (bei vier Spielen mit jeweils nur 10 Minuten Pause dazwischen), darunter kein Torhüter, spielt eine Qualifikation gegen topmotivierte U15 Gegner, darunter Leistungszentren wie LASK Linz und wird am Ende nach einundeinhalb Stunden letzter und darf die Heimreise antreten. Besonders nach dem zweiten Spiel gegen die besagten Linzer, bei dem man 0:5 unter die Räder geriet, sah es kurze Zeit danach aus hier in den folgenden Spielen aus der Halle geschossen zu werden. Dennoch lieferten unsere Jungs ein tolles Turnier ab, und ein großer Anteil darin liegt bei den Eltern, die von Beginn an realistisch und unterstützend hierher angereist waren. Das ist eine große (wenn nicht entscheidende) Stärke, die den Jungs nur zu Gute kommen kann, wenn sie den nicht einfachen Weg durch die „pubertierenden“ U14 und U15 Jahre machen. Von Trainerseite her kann diesen Sachverhalt gar nicht überbetonen, sah man sich selber schon als Kühlerfigur aufgeschnallt nach Deutschland zurückkehren.

Unsere Jungs präsentierten sich an diesem Tag von einer sehr guten Seite, verloren zweimal knapp mit 1:2, waren dabei phasenweise spielbestimmend und trotzten dem Erstplatzierten auch noch ein 2:2 ab, dass diese erst kurz vor Schluss machte.

Hier auch vielen Dank an die beiden mitgereisten U15 Spieler mit Eltern, Familie Sostmann und Familie Bakalis.

Kurzdurchlauf 08.01.: SV Laim U15, TuS Geretsried U15

Hat man die elterliche Geduld und das Verständnis noch gelobt, sie hielt auch an diesem Tage an, muss man von Trainerseite her gestehen, dass in der Rückschau eine „traditionelle“ Verärgerung bleibt. Traditionell deshalb, da es seit nunmehr zehn Jahren so ist, dass wir am letzten Turnierwochenende der Neujahrswoche regelmäßig auf dem Zahnfleisch laufend bei hochkarätigen Turnieren optisch und ergebnistechnisch schlecht abschneiden. Seien es die Freisinger Turniere der letzten Jahre (immer mit hochklassigen BOL und BYL Mannschaften) oder wie in diesem Jahr Geretsried unter anderem mit der U15 des FC Bayern besetzt.

Man soll das auch bitte richtig verstehen, das Ergebnis ist und bleibt zweitrangig, aber wir zeigten in keinem der fünf Spiele auch nur annähernd etwas von unserem Spielstil. Grundsätzlich hätten wir an diesem Tag mit jedem Trikot auflaufen können, einen Eindruck welcher Art auch immer haben wir mit einem siebten Platz und durchschnittlichen Hallenfußball bei keinem hinterlassen.

Auch als Trainer gibt man nach solchen Turnieren zu, das man die mitgereisten Eltern mit diesem Tag Halle überstrapaziert hat und das ganze organisatorisch und ausbildungstechnisch gelinde gesagt, nicht optimal durchgeführt wurde.

Ganz anders erging es den beiden U14 Blöcken in Laim, dort wurde ein starker Eindruck hinterlassen und man verfehlte die wiederholte Titelverteidigung im Finale knapp.

 

Worauf das Augenmerk liegt

Da man häufig nach der Zufriedenheit über das Abschneiden der Jungs gefragt wird, soll hier kurz gezeigt werden, worauf wir bei der Ausbildung wert legen bzw. worauf man schaut, wenn man zu einem Turnier fährt:

Wenn also ein Junge, in diesem Fall Michael Seemüller, gegen einen starken 97er Jahrgang des Kissinger SC einen halben Meter vor der eigenen Torlinie mit zwei bis drei schnellen Bewegungen, den Ball blitzschnell unter seinem Körper zwischen beiden Beinen ziehend drei dieser Kissinger foppt und an ihnen vorbei kommt, sie also auf einer „Briefmarke ausspielt“, dann ist das nicht gut, es ist perfekt.

Wenn ein Christof Pichler den Ball nach einem gegnerischen Eckball (gegen den gleich starken Gegner) perfekt abfängt mit dem ersten Kontakt, so dass er gleich darauf mit dem zweiten seinen Sturmlauf beginnt, trotz Ball am Fuß nicht eingeholt werden kann und dann wohlüberlegt aus vollem Lauf mit der Innenseite das Kreuzeck nicht nur anvisiert, sondern eben auch trifft, dann ist es nicht gut, es ist perfekt.

Ein Mehmet Saglam bringt seinen Körper im vollen Tempo gegen einen einkopf-größeren Stürmer, der eigentlich schon durch ist, dermaßen perfekt ein, dass er diesen auch noch fair vom Ball trennen kann. Ein Valentin Batzer gleitet urplötzlich im 1:3 in einer Geschmeidigkeit übers Parkett, dass man ihn zum Eiskunstlauf einstellen möchte. Ein Nico Felser zaubert aus dem Fußgelenk ein ums andere Mal einen 20 Meter Diagonalpass über den Boden, der nicht einmal hoppelt, sondern präzise am Ziel ankommt.

Das sind jetzt einige wenige Beispiele, die man zu jedem Spieler bringen kann, einige verfügen über eine hervorragende Spielintelligenz wie Thomas Würzbauer und Clemens Eggen-Gödde, ein anderer über ein hervorragendes Ballgefühl in beiden Beinen wie Tolga Yilmaz, ein dritter bringt Athletikwerte im Bereich der Ausdauer und Schnelligkeit, wie Cedric Zeisberger, die einen Leichtathleten neidisch machen würden.

Aber auch im umgekehrten Fall, wenn ein Spieler, der sich bisher wenig mit dem Ball zutraute, und diesen nur schnell weiterbringen wollte, jetzt seine ersten zaghaften Versuche im offensiven 1:1 macht oder ein Spieler, der bisher völlig körperlos agierte, anfängt seinen Körper langsam einzubringen, dann ist das beachtenswert und auch genau das worauf man von Trainerseite aus auch schaut. Man kann jetzt nicht alle 25 Akteure einzeln aufführen, aber über die vielen Turniere hat jeder einzelne Akteur in jedem Block Aktionen gezeigt, mit Ball wohlgemerkt, die überragend sind.

Von der Trainerseite will man die besonderen Aktionen sehen, man will sehen, ob ein Junge überhaupt in der Lage ist unter Druck bzw. während eines Wettkampfes „den Unterschied“ zu machen, denn nur solche Spieler haben eine Chance auf den Leistungsbereich bzw. nur solche Spieler haben lang genug Spaß am Fußball, um ihn trotz vieler anderer Versuchungen ein Leben lang zu spielen.

 

Wo Lob ist, da ist auch Tadel

Nach so viel Lob, aber auch die zwei Kritikpunkte, die entscheidend sein Können, wenn es in den nächsten Jahren in einen Leistungsbereich geht. Keiner der 25 Akteure, die wir eingesetzt haben, schafft es auch nur annähernd konstant ein Turnier durchzuhalten, ja selbst von Spiel zu Spiel ergeben sich große Schwankungen, die gegnerunabhängig sind, mal spielt man gegen einen starken gleich stark, lässt sich dann aber von einem abwartenden einlullen, mal wird man von einer guten Truppe überrollt, dominiert aber ebenfalls eine mittelmäßige Truppe klar. Besonders gravierend ist, dass Jungs, die eben eine phantastische Aktion gezeigt haben, zum Beispiel eine Reihe von überlegenen Dribblings, urplötzlich im nächsten Spiel völlig ohne Selbstvertrauen dastehen und jeden Ball nur schnell von sich geben. Deshalb muss man viele der Jungs immer wieder an ihre guten Aktionen erinnern und ihnen aufzeigen welche „Kompetenz“ sie im Spiel haben.

Großartige Aktionen zeigen uns manch ein Potential, aber diese Aktionen müssen immer wieder auftauchen und immer wieder gefordert werden, ansonsten bleibt man Potential oder Talent. Der unbedingte „Wille“ beständig an die Grenzen zu gehen ist bei vielen der Jungs nicht ausreichend da.

Erschwert wird das ganze durch den zweiten großen Kritikpunkt. Die Vorbereitung auf die einzelnen Spiele ist durchweg mangelhaft, manchmal hat man das Gefühl das nächste Spiel sei die Ablenkung vom sonstigen Turnierausflug. Unsere Jungs haben dermaßen viel Energie, dass sie zwischen Spielen durchgängig unterwegs sind, anscheinend körperlich nicht ausgelastet vom Spiel. Darauf angesprochen verhalten sich die Jungs natürlich gut erzogen, brav und einsichtig, aber innerhalb der nächsten beiden Jahre müssen sie soweit sein selbstständig leistungsorientiert in einen Wettkampf zu gehen. Die Jungs dürfen so viele Fehler machen wie sie wollen, aber die Fehler dürfen ihnen nicht egal sein, das verwechseln viele noch miteinander.

In diesem Bereich sind unsere 98er trotz aller positiven Erscheinungen noch nicht dort, wo eine U14 beim SCF sein müsste

Zum Ende: Dinge aus denen man gelernt hat

Der deutsche Fußball hatte schon immer das Kennzeichen, die Regeln soweit zu biegen und zu instrumentalisieren, dass die ursprüngliche Intention verloren ging. Im Kleinfeld sollten den Kindern im 6:6 so viele Ballkontakte wie nur irgendwie denkbar ermöglich werden, was passiert: Trainer „bilden“ Torhüter aus, die mit einem Abschlag das komplette Feld überbrücken können, damit der Stürmer mit ein bis zwei Berührungen das Leder versenken kann oder eben nicht. Statt 30 Kontakte von sechs Spielern zu ermöglichen, gab es genau drei von zwei Akteuren. Dasselbe gilt heutzutage für die „Rund-um-Bande“, ursprünglich sollte sie das Spiel schnell machen, keine Verschnaufpausen gönnen und Kreativität und Spielwitz fördern, schließlich hatte man jetzt auf allen vier Seiten zusätzliche „Mitspieler“. Was passiert aber stattdessen? Die Torbanden werden als reiner Prellbock für technisch missglückte Pässe in die Tiefe verwendet, ja manche machen dies sogar zur taktischen Disziplin, lange und hohe Bälle ins „Nirgendwo“ zu spielen, die aber dank der Bande noch erlaufen werden können. Hier muss man Jürgen Schmid von der TSV Dasing einfach recht geben, wahre Techniker spielen mit „Rund-um-Aus“ in der Halle, das Futsal Vorbild erweist sich hier als absolut sinnvoll.